Geld, Inserate und Medien

Gewinnt, wer mehr ausgibt? Und wie hängt die Berichterstattung der Medien mit dem Resultat zusammen?

Gewinnt, wer mehr ausgibt?

Wie oft gewann die Seite, die im Abstimmungskampf deutlich mehr Inserate schaltete bzw. das grössere Budget hatte? Gezählt sind nur Vorlagen, bei denen eine Seite mindestens 55 % der Inserate bzw. des Geldes hatte (Inserate: ab 20 Stück).

73,5 %Inserate: die Seite mit mehr Inseraten gewann (83 Vorlagen, 2013–2023)
57,1 %Budgets: die Seite mit mehr Geld gewann (21 Vorlagen seit 2024)
102,3 Mio. Fr.gemeldete Kampagnenbudgets für 24 Vorlagen seit 2024
02550751000255075100Anteil Ja-Inserate (%) →Volks-Ja (%) →
VolksinitiativeBehördenvorlageDie Seite mit mehr Inseraten verlor

Zusammenhang zwischen dem Anteil der Ja-Seite und dem Volks-Ja: mittlerer (r = 0,47). Das heisst nicht, dass Geld Abstimmungen entscheidet: Wer ohnehin vorne liegt, findet oft leichter Geldgeber.

Mehr Inserate, trotzdem verloren

Verrechnungssteuergesetz25.09.2022 · Fakultatives Referendum 99 % Ja-Seite · Volk 48,0 %Gesetz über die Stempelabgaben13.02.2022 · Fakultatives Referendum 95 % Ja-Seite · Volk 37,4 %Initiative «Schluss mit der MwSt-Diskriminierung des Gastgewerbes!»28.09.2014 · Volksinitiative 94 % Ja-Seite · Volk 28,5 %Gesetz über elektronische Identifizierungsdienste07.03.2021 · Fakultatives Referendum 94 % Ja-Seite · Volk 35,6 %Medienpaket13.02.2022 · Fakultatives Referendum 92 % Ja-Seite · Volk 45,4 %Initiative «gegen die Abzockerei»03.03.2013 · Volksinitiative 91 % Nein-Seite · Volk 68,0 %

Inserate: Inserateanalyse von Année Politique Suisse (rund 50 Zeitungen, acht Wochen vor der Abstimmung, 2013–2023). Budgets: Offenlegung bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle (seit 2024 erfasst), von den Kampagnen selbst gemeldet. Beides via Swissvotes.

Wie die Medien berichten – und wie das Volk entscheidet

Der Abstimmungsmonitor der Universität Zürich (fög) misst für jede Vorlage, ob die Berichterstattung in den zwölf Wochen davor eher befürwortend oder ablehnend war: von −100 (nur ablehnende Beiträge) bis +100 (nur befürwortende).

71,4 %der Vorlagen mit befürwortender Berichterstattung wurden angenommen (56 Vorlagen)
17,6 %der Vorlagen mit ablehnender oder ausgewogener Berichterstattung wurden angenommen (68)
r = 0,71starker Zusammenhang zwischen Medientenor und Volks-Ja
0255075100-60-300+30+60Tonalität der Berichterstattung →Volks-Ja (%) →
VolksinitiativeBehördenvorlageVolk entschied gegen den Medientenor

Röstigraben in den Medien

Berichten die Zeitungen der Romandie anders als die der Deutschschweiz, stimmt meist auch die Romandie anders: Bei 85 von 124 Vorlagen stimmte die Sprachregion mit der freundlicheren Berichterstattung auch eher Ja (r = 0,52). Grösste Unterschiede im Medientenor:

Stipendieninitiative14.06.2015 · Ton Deutschschweiz -22, Romandie +22 Ja-Anteil D −15,6 Pp ggü. FInitiative «AHVplus: für eine starke AHV»25.09.2016 · Ton Deutschschweiz -28, Romandie +15 Ja-Anteil D −15,9 Pp ggü. FInitiative «Für eine öffentliche Krankenkasse»28.09.2014 · Ton Deutschschweiz -17, Romandie +20 Ja-Anteil D −26,4 Pp ggü. FInitiative «Grüne Wirtschaft»25.09.2016 · Ton Deutschschweiz -19, Romandie +14 Ja-Anteil D −14,2 Pp ggü. FSelbstbestimmungsinitiative25.11.2018 · Ton Deutschschweiz -20, Romandie -53 Ja-Anteil D +12,0 Pp ggü. FEpidemiengesetz22.09.2013 · Ton Deutschschweiz +63, Romandie +33 Ja-Anteil D −16,3 Pp ggü. F

Medientenor: fög – Abstimmungsmonitor (Universität Zürich), via Swissvotes, seit 2013. Ja-Anteile Deutschschweiz/Romandie aus den Kantonsresultaten der einsprachigen Kantone (wie beim Röstigraben). Medien greifen auch die Stimmung im Land auf – der Zusammenhang sagt nichts über Ursache und Wirkung.