Kantone und Ständemehr

Welche Kantone werden am häufigsten überstimmt – und wann scheiterte das Volksmehr an den Kantonen?

Die ewig Überstimmten

Wie oft stimmte ein Kanton anders als die Mehrheit der Schweiz? Am häufigsten auf der Verliererseite: Jura (25,1 % der Vorlagen), am seltensten Bern (7,2 %).

Allein gegen alle

67-mal stimmte genau ein Kanton anders als alle anderen – am häufigsten Basel-Stadt (10-mal). Die jüngsten Fälle:

Massentierhaltungsinitiative25.09.2022 · Schweiz 37,1 % JaBasel-Stadt 55,2 %Gesetz über die Stempelabgaben13.02.2022 · Schweiz 37,4 % JaZug 51,1 %Pflegeinitiative28.11.2021 · Schweiz 61,0 % JaAppenzell Innerrhoden 47,0 %Gesetz über polizeiliche Massnahmen gegen Terrorismus13.06.2021 · Schweiz 56,6 % JaBasel-Stadt 45,1 %Trinkwasserinitiative13.06.2021 · Schweiz 39,3 % JaBasel-Stadt 58,8 %Pestizidinitiative13.06.2021 · Schweiz 39,4 % JaBasel-Stadt 57,2 %

Überstimmt = die Mehrheit im Kanton war anders als das Volksmehr der ganzen Schweiz. Alle Vorlagen seit 1848 mit Kantonsresultaten (Jura erst ab 1979). Prozentwert = Anteil der Vorlagen. Quelle: BFS, Swissvotes.

Volk Ja, Stände Nein

Verfassungsänderungen brauchen das Volks- und das Ständemehr. 14-mal gingen die beiden auseinander – 10-mal sagte das Volk Ja und scheiterte an den Kantonen.

Konzernverantwortungsinitiative29.11.2020 Volk 50,7 % Ja Stände 8½ : 14½ Zusammen 2'993 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Glarus 309 · Schaffhausen 930 · Uri 1'012 · Appenzell Innerrhoden 742 Initiative «gegen die Heiratsstrafe»28.02.2016 Volk 49,2 % Ja Stände 16½ : 6½ Am Volksmehr fehlten 27'537 Stimmen Bundesbeschluss über die Familienpolitik03.03.2013 Volk 54,4 % Ja Stände 10 : 13 Zusammen 1'576 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Glarus 686 · Graubünden 890 Initiative «gegen Asylrechtsmissbrauch»24.11.2002 Volk 49,9 % Ja Stände 12½ : 10½ Am Volksmehr fehlten 2'105 Stimmen Erleichterte Einbürgerung für junge Ausländer12.06.1994 Volk 52,8 % Ja Stände 10 : 13 Zusammen 1'062 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Nidwalden 107 · Schaffhausen 611 · Obwalden 344 Kulturförderungsartikel12.06.1994 Volk 51,0 % Ja Stände 11 : 12 705 Stimmen in Zug hätten das Ständemehr gekippt Energieartikel27.02.1983 Volk 50,9 % Ja Stände 11 : 12 52 Stimmen in Uri hätten das Ständemehr gekippt Konjunkturartikel02.03.1975 Volk 52,8 % Ja Stände 11 : 11 84 Stimmen in Appenzell Innerrhoden hätten das Ständemehr gekippt Bildungsartikel04.03.1973 Volk 52,8 % Ja Stände 11 : 12 Zusammen 340 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Obwalden 105 · Neuenburg 235 Änderung der Finanzordnung15.11.1970 Volk 55,4 % Ja Stände 9 : 13 Zusammen 1'414 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Freiburg 265 · Waadt 540 · Graubünden 609 Zivilschutzartikel03.03.1957 Volk 48,1 % Ja Stände 14 : 8 Am Volksmehr fehlten 14'303 Stimmen Mieter- und Konsumentenschutzinitiative13.03.1955 Volk 50,2 % Ja Stände 7 : 15 Zusammen 2'188 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Schaffhausen 111 · Glarus 235 · Zug 535 · Uri 600 · Solothurn 707 Initiative «für die Proporzwahl des Nationalrates»23.10.1910 Volk 47,5 % Ja Stände 12 : 10 Am Volksmehr fehlten 12'445 Stimmen Mass und Gewicht14.01.1866 Volk 50,4 % Ja Stände 9½ : 12½ Zusammen 825 Stimmen hätten das Ständemehr gekippt: Wallis 246 · Schaffhausen 579
Kanton JaKanton NeinNein-Kantone, die mit wenigen Stimmen gekippt wären

«Gekippt»: so wenige Stimmen hätten in den knappsten Kantonen von Nein zu Ja wechseln müssen, damit die Vorlage auch das Ständemehr erreicht – angegeben je Kanton und zusammen (Halbkantone zählen halb). Bei «Volk Nein, Stände Ja» entschied das Volksmehr. Resultate: BFS bzw. Swissvotes.