Wie tief sind die Gräben zwischen Deutschschweiz und Romandie, zwischen Stadt und Land – und wird die Schweiz gespaltener?
Wie weit lagen Deutschschweiz und Romandie im Ja-Anteil auseinander – im Schnitt je Jahrzehnt seit 1866. Im 19. Jahrhundert war der Graben deutlich tiefer; seit etwa 1900 liegt er recht konstant bei rund 10 Prozentpunkten (2020er-Jahre: 10,0 Pp).
Säulen: Unterschied im Ja-Anteil in Prozentpunkten, Mittel über alle Vorlagen des Jahrzehnts (mit der Maus darüberfahren für Details). Vor 1900 gab es nur wenige Vorlagen pro Jahrzehnt – die Werte schwanken dort stärker.
Stimmt eine Gemeinde eher wie die Deutschschweiz oder wie die Romandie? Der Graben folgt grob der Sprachgrenze – aber nicht nur: Die grossen Deutschschweizer Städte stimmen oft wie die Romandie, viele ländliche Gemeinden im Berner Jura und im Wallis wie die Deutschschweiz. Der Röstigraben ist häufig auch ein Stadt-Land-Graben.
Berechnet aus den amtlichen Kantonsresultaten der einsprachigen Kantone, gewichtet nach gültigen Stimmen – Deutschschweiz: ZH, LU, UR, SZ, OW, NW, GL, ZG, SO, BS, BL, SH, AR, AI, SG, AG, TG; Romandie: VD, NE, GE und ab 1979 JU. Zweisprachige Kantone (BE, FR, VS, GR) und das Tessin zählen nicht. So ist der Vergleich über die ganze Zeit gleich gerechnet.
Wie weit liegen die Gemeinden bei einer Vorlage auseinander? Gemessen als Standardabweichung der Ja-Anteile aller Gemeinden (jede Gemeinde zählt gleich). In den 1860er-Jahren lag sie im Schnitt bei 37,9 Pp, heute bei 9,3 Pp – die Gemeinden stimmen heute deutlich einheitlicher ab als früher.
Säulen: Streuung in Prozentpunkten, Mittel über alle Vorlagen des Jahrzehnts (mit der Maus darüberfahren für Details). Welche Gemeinde am genausten wie die ganze Schweiz stimmt, zeigt die Karte auf Gemeinden.
Unterschied im Ja-Anteil zwischen städtischen und ländlichen Gemeinden (Stadt/Land-Typologie des BFS, nach Stimmen gewichtet). In den 2020er-Jahren beträgt er im Schnitt 8,7 Pp – fast so viel wie der Röstigraben (10,0 Pp).
Säulen: Unterschied Städte – Land in Prozentpunkten, Mittel über alle Vorlagen des Jahrzehnts (mit der Maus darüberfahren für Details).
Stimmt eine Gemeinde eher wie die städtischen oder wie die ländlichen Gemeinden? Unabhängig davon, wie das BFS sie einteilt – so zeigt sich, wie weit das «städtische» Stimmverhalten in die Agglomerationen reicht.
Gemeinderesultate: ab 2010 BFS, davor Emmenegger et al. (2025) auf Gemeindestand 2023 – frühe Abstimmungen sind lückenhaft, die Werte vor etwa 1900 darum nur grob vergleichbar. Stadt/Land: Typologie 2020 des BFS (städtisch / intermediär / ländlich), auf die heutigen Gemeinden angewandt – «Stadt» heisst also: heute städtisch.